Ingenieurbüro Dipl.-Ing. Olaf Deters

Tragwerksplanung im Bauwesen

An der Koppel 10e
21220 Seevetal
Tel.: 04105-660834
Statische Berechnungen für das Bauwesen
seit 1999

Wissenswertes zum Thema "Wanddurchbrüche"

Dieser Text richtet sich an Bauherren, die sich mit dem Gedanken tragen, in ihrem Gebäude Wanddurchbrüche herstellen zu lassen.

Altunterlagen

Einer Wand lässt sich nicht ansehen ob sie tragend ist oder nicht. Auch Klopfen an Tapete oder Decke bringt keine weitere Planungssicherheit. Ebenso wenig lässt sich anhand des Treppenloches etwas über die statische und Stärke und Konstruktion der Decke ableiten.


Aufschluss erhält man durch Einsicht in die statischen Altunterlagen oder umfangreiche Bauwerksuntersuchungen. Sollten die Altunterlagen nicht vorliegen, lohnt sich eine Nachfrage beim Archiv des zuständigen Bauamtes. Zumindest bei älteren Bauwerken stehen die Chanchen gut, dass sich da etwas findet. Es sei angemerkt, dass eine Altstatik ohne den zugehörigen Positionsplan nur begrenzt aussagefähig ist.

Beispiele für alte Positionspläne

Sind keine Altunterlagen verfügbar, wird man auf der sicheren Seite liegend davon ausgehen müssen, dass es sich um eine tragende Wand handelt und entsprechend die Lasten maximal ansetzen. Das heißt, man kann einen Abfangeträger planen und berechnen, aber der wird deutlich größer ausfallen als er sein müsste, bzw. die mögliche Öffnung wird kleiner als gewünscht.

Tragende Wände müssen gleichwertig ersetzt werden

Mitunter wird tatsächlich gefragt, ob man denn auf diese und jene tragende Wand verzichten könne. Natürlich nicht. Jede tragende Wand muss an ihrer Position durch eine gleichwertige Ersatzmaßnahme ersetzt werden. Solange nicht anhand von Altunterlagen sichergestellt ist, dass eine Wand nichttragend ist, wird sie als tragend und damit als nicht entbehrlich eingestuft.

dünne Wände

11.5cm starke Mauerwerkswände können durchaus auch tragend sein. Auch bei neueren Bauten noch ist das möglich. Daher kann aus einer geringen Wandstärke nicht abgeleitet werden, dass es sich um eine nichttragende Wand handelt.

aussteifende Wirkung

Die Unterscheidung tragend/nichtragend bezieht sich üblicherweise auf die Decke. Wände können jedoch auch aussteifende Wirkungen für andere Wände bzw. das gesamte Gebäude haben. Der Statiker wird dieses prüfen und ggfs. Vorgaben machen und Einschränkungen aussprechen. Das kann in der Praxis bedeuten, dass die Wand nicht komplett entfernt werden kann, sondern eine Art Pfeiler an der auszusteifenden Wand erhalten bleiben muss.

Mögliche Öffnungsbreiten.

Solange der weitere Lastabtrag nach unten nachgewiesen werden kann, gibt es keine festgelegten Grenzen. Allerdings wird mit zunehmender Öffnungsbreite natürlich der Abfangeträger größer und das muss nicht unbedingt gewünscht sein.

Wände oberhalb

Mitunter erhalten Wände zwar keine planmäßigen Lasten aus einer Decke, wohl aber aus Wänden im darüberliegendem Geschoss. Auch dann wird eine statische Ersatzmaßnahme erforderlich.

Kleinere Türverbreiterungen

Auch die Verbreiterung einer Tür um nur z.B. 15cm erfordert einen kompletten neuen Türsturz, da der vorhandene Stürz einseitig ein Auflager verlieren würde und damit nicht mehr trägt.

Der Nachbar hat es auch schon gemacht

Gerne wird besonders bei Reihenhäusern darauf verwiesen, dass beim Nachbarn die Wand schon vor Jahren rausgenommen wurde und alles gut sei. Solange nicht die dazugehörige Statik vorgelegt werden kann, ist das kein Argument.

Kosten für die Statik

Diese Frage ist im Vorwege nicht beantwortbar, da der Aufwand sehr von der Güte der Grundlagen (sh. Altstatik) abhängt und von dem Umfang der zu notwendig zu erbringenden Nachweise. Üblicherweise befindet man sich allerdings deutlich unterhalb der Kosten, die durch die praktische Ausführung durch die Firmen aufgerufen werden. Die Planungskosten sind damit kein Entscheidungskriterium und müssen. Man muss aber anmerken, dass diese auch dann anfallen, wenn das Ergebnis negativ ausfällt, z.B. weil die erforderlichen Abfangungen zu kostenintensiv werden.